Und dahin ist das Erbe der Aufklärung.

Und dahin ist das Erbe der Aufklärung.

Zahlreiche Universitäten schaffen Deutsch als Wissenschaftssprache ab.

Die Deutsche Sprachwelt hat Ende 2014 einen spannenden und zugleich erschreckenden Artikel veröffentlicht. Zweifelsohne ein Thema, über das ich ein paar Worte verlieren möchte.

Die Technische Universität München macht es vor. Stolz auf den Titel „Eliteuniversität“ nimmt hier die Amerikanisierung ihren Lauf und bei einigen Studiengängen ist die Unterrichtssprache bereits ausschließlich Englisch. Bis zum Jahre 2020 soll die deutsche Sprache weiter verdrängt werden und alle Master-Studiengänge komplett auf Englisch umgestellt sein. Klar, warum auch nicht, man ist ja schließlich eine Eliteuniversität, gleichrangig mit Yale, Harvard und Princeton, und gibt sich nicht länger mit der deutschen Sprache ab. Englisch für die Elite und Deutsch für die Dummen?

Dass man Englisch spricht und sich in dieser Sprache auch mit komplexen Fachthemen auseinandersetzen kann – keine Frage. Dass es immer wichtiger wird, mehrsprachig zu agieren und die englische Sprache zu beherrschen – auch absolut nachvollziehbar. Aber dass es scheinbar als unterqualifiziert betrachtet wird, wenn man sich auf Deutsch einer Wissenschaft nähern will, halte ich doch für sehr fragwürdig. Nicht nur, dass die Zahl der deutschen Professoren systematisch verringert wird bzw. werden muss – auch die Zahl der deutschsprachigen Studenten wird schwinden. Denn mal ganz im Ernst: wer verfügt direkt nach dem Abitur über das nötige Fach-Englisch? Und selbst wenn es erst einmal nur die Masterstudiengänge betreffen soll – Fakt ist doch, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob man die umfangreichen und komplexen – und nebenbei bemerkt, ohnehin schon schwierigen Themen – auf englisch oder deutsch erklärt bekommt. Es ist ja nun auch nicht so, dass Deutsch im weltweiten Kontakt keine Bedeutung mehr hat. Und überhaupt, als Kulturnation kann man sich doch nicht seiner eigenen Sprache berauben. Während es beispielsweise in Frankreich ganze Institutionen gibt, um die eigene Sprache zu pflegen, scheint man an vielen deutschen Universitäten der Meinung zu sein, dass die eigene Muttersprache nicht für die Elite taugt. Sehr schade, wie ich finde, wurde Deutsch doch im Zuge der Aufklärung vor 300 Jahren zur Wissenschaftssprache erklärt, damit Bildung allen zugänglich wird.

Die Deutsche Sprachwelt stellt noch einen weiteren wesentlichen Punkt dar – und zwar: Wo soll das hinführen? Mit diesem Trend wird quasi alles daran gesetzt, einheimische Studenten von deutschen Universitäten fernzuhalten. Ausgebildet werden Studenten, die ihr Fach nicht auf deutsch erklären können, sondern nur auf englisch – und die dementsprechend ins englischsprachige Ausland abwandern. Glückwunsch! Der einheimische Mittelstand geht leer aus, während internationale Großunternehmen, die eher weniger an Deutschland gebunden sind, davon profitieren. Es kann doch nicht wahr sein, dass unsere Muttersprache so wenig Wert hat – und in Zukunft alles nur noch in der Einheitssprache Englisch ablaufen soll. In Italien haben sich Lehrer und Studenten das gleiche gedacht und haben gegen den Beschluss, dass an der Technischen Universität Mailand für alle weiterführenden Studiengänge in Zukunft nur noch Englisch zugelassen werden soll, geklagt – und gewonnen. Es ist nämlich nicht nur unmöglich, sondern verstößt auch gegen die Verfassung. Richtig so! Ich breche hiermit eine Lanze für die deutsche Sprache – in Wort, Schrift und all ihren Dialekten. Denn auch wenn ich gerne andere Sprachen spreche, reise, mich verständigen möchte und auf dem internationalen Markt verhandlungssicher sein möchte, so möchte ich weiterhin die kleinen Feinheiten in der deutschen Sprache nutzen, um mich auszudrücken. Ich möchte die vielfältigen Bezeichnungen und Synonyme verwenden, Lautmalerei, die freie Wortstellung im Satz, die Kombinationsmöglichkeiten und Sprachspiele nicht missen – und ich möchte meiner Kreativität freien Lauf lassen können – und das geht für mich und für viele andere nun mal am besten in der Muttersprache.

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