Ein Ausflug mit Hindernissen.

Ein Ausflug mit Hindernissen.

Was passiert, wenn drei Dickköpfe im Wald spazieren gehen …

Nachdem die Große zum zwanzigsten Mal in den Wald gestürmt ist, um sich mit irgendeinem (entschuldigt bitte) Scheißhaufen zu beschäftigen, ich das zehnte Mal versucht habe, den Kinderwagen durch ein Gemisch aus Eis, Matsch und Schnee zu zerren und das fünfte Mal panisch umhergeguckt habe, damit die Kleine nicht wieder im Fuchsbau verschwindet, reicht es mir.

Entnervt weise ich die Große zurecht, die sich (weil überhaupt nichts gewohnt) sofort betreten und theatralisch nach unten schauend hinsetzt. Und wo sie sitzt, bleibt sie auch. Sie sitzt dort wie ein misshandelter Straßenhund und schaut mit großen Augen zu Boden. Und an dieser Stelle sei gesagt, ich habe lediglich einen etwas energischeren Ton angeschlagen. Aber gut. Hier ist wohl noch einer hypersensibel. Ich also stapfe weiter – mit Wagen und der Kleinen. Ronja ist (nicht anders gewöhnt und läuft bei solche einer Stimmung von Frauchen besser artig bei Fuß) an meiner Seite. Abby sitzt da wo sie sitzt. Nun gut, ich gehe weiter. Ich warte doch nicht auf eine bockigen Hund. Das war noch nie meine Devise. Nein wirklich nicht. Ich bin mittlerweile doch recht weit entfernt von ihr – untypisch, aber sie bleibt sitzen und schmollt. Noch zweimal Mal drehe ich mich um und versuche es kurz noch einmal mit der netten Säuselstimme (der Hund merkt vermutlich, dass immer noch ein unterdrückter Vulkan in mir tobt) – jedenfalls versuche ich es noch mal in nett, um dann gleich darauf wieder wild fluchend weiter zu stampfen. Mittlerweile gibt es eine Schaulustige. Eine ältere Dame mit Hund (deren Hund wartet natürlich artig an ihrer Seite). Sie schaut immer erst ganz verwirrt den Hund an und dann mich. Ich bin mittlerweile fast zu Hause und sehe das Szenario nur noch aus weiter Ferne. Noch einmal rufe ich und gestikuliere wild mit den Armen, aber Madame zickt weiter und so drehe ich ab. Den Wagen schiebe ich mittlerweile eher so, wie man einen stockenden und in die Jahre gekommenen Rasenmäher über den Rasen schieben würde, wenn man schnell fertig werden will. Ich fluche vor mich hin. Die Frau – vermutlich total pikiert – bleibt einfach stehen und schaut. Eine waschechte Schaulustige eben. Ich kann ihren vorwurfsvollen Blick gerade zu spüren. Verständlich, denn vermutlich ziemt es sich unter pädagogisch belesenen Hundebesitzern auch nicht, seinen Hund einfach so stehen zu lassen. Ich nehme an, Sie denkt so was wie „die arme überforderte Frau“ – oder so was in der Art. Ich für meinen Teil finde es ja fast schon unverschämt, so ein Szenario einfach hemmungslos und ausdauernd mit anzusehen. Also entweder man unternimmt etwas oder geht. Basta. Ich für meinen Teil gehe. Und siehe da, plötzlich sind wir wieder vollzählig. Ein weißer kleiner Pelz, ein großer brauner und die stampfende Furie von Mutter ziehen durch den Wald gen Heimat. Ich bin in solchen Momenten ja wirklich froh, dass mein Kind ein vorbildlicher Kinderwagenschläfer ist und so von den emotionalen Entgleisungen seiner Mutter nichts mitbekommt. Nicht auszudenken, welche Arbeit später ein Psychologe bei der Aufarbeitung hätte. Die beiden Hunde gehen ja ein Glück zweimal wöchentlich in Behandlung.

Kolumne

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